Dienstag, 11. Dezember 2007

Eure Armut kotzt mich an!

bislang als dummen Spruch abgehakt, beschreibt er ohne die Menschen ihrer Misere auch noch schuldig sprechen zu wollen recht gut was ich hier verspür.Erschreckend wie entscheidend unser Auskommen in dieser Welt werden, unser Leben - unser Erleben Gottes prägen kann. Schon die Sprüche singen ja ein Lied davon: Armut und Reichtum gib mir nicht, laß mich aber mein Teil Speise dahinnehmen, das Du mir beschieden hast.

Ich könnte sonst, wenn ich zu satt würde verleugnen und sagen:wer ist der Herr?
Oder wenn ich zu arm würde, könnte ich stehlen und mich an dem Namen Gottes vergreifen.
(Sprüche 30,8)


Meine deutsche Krankenversicherung im Rücken macht's mir unmöglich den ganzen Druck, der auf den Leuten lastet nachvollziehen zu können.
Folgedessen deute ich ihre Entscheidungen oft fälschlicherweise als lieblos und hart.










Da ist der 4jährige Samshed, der viel zu spät bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert wird:
Diagnose: Encephalitis - Entzündung des Gehirns, epileptische Krampfanfälle und Lungenentzündung durch Aspiration.
Sein Zustand ist kritisch, intubiert und zeitweise beatmet.- Warten bis die Anitibiotika anschlagen. Dann der Schock als ich zur Nachtschicht komm liegt eine alte Frau in "seinem" Bett
- was ist passiert?
Seine Angehörigen haben nach nunmehr mehreren Tagen ohne sichtbare Besserung, der ausstehenden länger werdenden Rechnung, entschieden ihr Kind Heim zu nehmen, aufzugeben, sterben zu lassen?

Diese hier regelmäßig vorkommenden Abschlüsse "der Kapitel" sind es, die das Leben für mich noch sehr herausfordernd gestalten, Enttäuschung, Wut und Traurigkeit aufkommen lassen.
Bin wie gesagt zumindest noch! zu naiv, durch gewohnten Wohlstand zu verblendet nachvollziehen zu können, was Eltern veranläßt ihre Kinder, Söhne, die sogar ihre Altersversorgung hier bedeuten, aufzugebn. Was es heißt, in die Enge getrieben, gezwungen bittere Entscheidungen fällen zu müssen, ein Leben aufzugeben, um den Rest der Familie durchzubringen?

Das Krankenhaus versucht nach Kräften den armen Menschen entgegenzukommen, das Personal hier arbeitet zum Beispiel für wesentlich weniger Lohn als in anderen Einrichtungen.
Not macht erfinderisch, kreative Ideen können beobachtet, Abstriche müssen gemacht werden. Ärzte sind darauf angewiesen die Diagnosen mit viel beschränkteren Mitteln zu stellen
- aber um eine einigermaßen gute Medizin betreiben zu können, braucht es einiges an Finanzen.










Gestern kam Reena Devi,ne junge Frau, schwanger das Hämoglobin 2,9g/dl unvorstellbar Normwert etwa 11-16. Dann die Geburt: Das Kind schafft's nicht, die Mutter schnappt nach Luft, auch ihr fehlt der nötige "Saft in dem das Leben ist". Aber sie war noch bei vollem Bewusstsein als sie auf Intensiv kam. Dann ist ihr Kreislauf zusammengebrochen, der Blutdruck nicht mehr tastbar.
Die eine Blutkonserve, die ihr schmächtiger Mann spenden konnte im Schuß reingepresst hilft da nicht wirklich viel, Plasmaexpander und andere Kreislaufuntestützende Medikamente was eben verfügbar ist rein - Gott hilf!!Erinnere mich an Zeiten im Rettungsdienst: Transport von OP zu OP in eines andern Krankenhauses Patient mit offenem Bauch die haben ihm 30ig Blutkonserven reingepresst - er hat's geschafft.
Und hier die Frau 4Konserven und sie sollte aus dem Gröbsten raussein- aber es ist nicht verfügbar, die Blutbank muß passen?
Wollte ich spräche die Sprache, könnte rausrennen und um A-positiv betteln. (aber die Leute wüssten ihre Blutgruppe eh nicht)?

Ja wie gesagt, es ist der Mangel an Ressourcen, die Beschränktheit der gewohnten Möglichkeiten die hier über Leben und Tod zu entscheiden scheinen.Aber wie die Ärztin bemerkt hat: da ist ja der Gott, der ein besonderes Herz für die Armen hat!Denn Er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend der Armen und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen;
Und als er zu ihm schrie,hörte Er's.
(Psalm 22,25)

Wünschte wir hättn nen Topf den man öffnen könnte für Fälle wie den 4jährigen Jungen. Vielleicht ist das auch ein Grund warum ich hier gelandet bin: mag es eigentlich nicht um Hilfe zu betteln aber die Situation vor Ort ist es absolut wert, und so will ich diesen Rundbrief dazu benutzen es zu tun, weiß noch nicht wie es praktisch machbar ist mit Spendenbescheinigung und dergleichen?...

Ansonsten kann ich bis jetzt sagen es passt! Bereitet Freude ein passendes Puzzleteil angefügt zu finden. Besonders begeisternd ist zu erkennen, dass es da ein Bild gibt!Ohne die bereits aneinandergefügten Teile würde dieses hier wohl nicht viel Sinn machen,
nicht reinpassen.

Die Zeit im Ashram kommt mir sehr zu gute,
wo ich erleben durfte, dass Gott uns sehr wohl bewahren kann. Wie mein Röntgenbild auch noch nach den ganzen Leuten mit offner Tuberkulose, die mir ins Gesicht gehustet haben ohne Befund war. Ansonsten würden die limitierten hygienischen Verhältnisse doch Kopfzerbrechen bereiten.
Aber dann war die Zeit plötzlich rum - warum?

Letztes mal habe ich geschildert wie Angehörige ihren Liebsten mit Beatmungsbeuteln den Atem einhauchen müssen, keine 2Wochen später haben wir zwei nagelneue Beatmungsgeräte zur Verfügung gestellt bekommen. Aber keiner hier hat viel Erfahrung auf diesem doch sehr komplizierten Gebiet. Ohne die Zeit in Löwenstein, der Intensiv- und Beatmungsstation, wäre ich jetzt total überfordert.
Auch können wir den dortigen Arzt anrufen, wenn wir mit unserem Latein am Ende sind. Besonders erschwert wird das Ganze Unterfangen dadurch, dass kein Blutgasanalysegerät zur Verfügung steht. Ein solches ist nötig um Beatmungsgeräte, den individuellen Erfordernissen der Patienten anpassen zu können.Auch hier haben sich die Leute von Löwenstein angeboten uns zu helfen, sind auf der Suche nach einem Kapnometer was Mindestvoraussetzung ist um die Beatmungssituation eines Patienten einschätzen zu können.
...Echt so gut.

Ansonsten haben sie mich hier gebeten Werbung zu machen, bekannt zu geben dass echt Bedarf existiert hier, medizinisches Personal auch für kurzfristige Einsätze willkommen ist! (hörst Du Lisa)
Ein großes Gebetsanliegen für die Intensivstation hier: dass sich ein guter Internist findet, der bereit ist unter den Umständen vor Ort zu leben. Besonders für Familien mit Kindern ist es schwer, da es keine guten Schulen gibt, so ist keiner lange geblieben.

Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke spricht der Herr.
Gedanken des Friedensund nicht zum Unheilum Euch Zukunft und Hoffnungzu gewähren Jeremia 29,11

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